Samstag, 29. Oktober 2011

do you see what i see?

wir sitzen nebeneinander. reden einfach nur. also, du redest. du regst dich ja immer auf, dass ich so wenig rede. und weißt du überhaupt, wieso? nein, ich bin nicht irgendwie bescheuert, dass ich keine worte raus kriegen. es gibt mehrere gründe. du machst ich sprachlos. immer, wenn ich etwas sage, hab ich angst, dass es lächerlich ist. ich sehe zu dir auf. irgendwie. und dann kann ich zu dir einfach nichts sagen. ich hab angst. angst davor, dass du mich zu sehr kennen lernst. angst davor, verletzt zu werden. schon wieder. es passiert unbewusst. eigentlich würde ich so viel erzählen, aber ich kann nicht. ich schweige lieber. auf einmal schaust du mich an, legst einfach den arm um mich, hälst meine hand und lehnst deinen kopf an meinen. irgendwann gehst du einfach los, nach einer weile anschweigen. als du weg bist, mach ich nur die musik an. warte, auf heute abend. wir telefonieren ab um 11 nochmal für 2 stunden. bis ich einfach verzweifelt auflege. wir schweigen auf einmal sagt er etwas. du findest mich doch total scheiße, oder? ich bin überrascht von dieser frage. ich bin wohl wirklich so schlecht. jeder sagt mir immer, wie schlecht ich gefühle zeigen kann. wie schlecht ich mit ihnen umgehen kann. und es stimmt. ich kann niemandem zeigen, wie gern ich ihn hab. oder es sagen. es hört sich ironisch an. es hört sich scheiße an. er ist nicht scheiße, verdammt. ich mag ihn. sehr. zu sehr. aber ich kann das nicht zeigen. wenn ich es zeigen würde, wenn ich nur all meine gefühle zeigen würde, wäre ich doch total schwach. angreifbar. das hatten wir doch schon. zum schluss bei julius hab ich das geschafft. und was ist passiert? ja. ganz genau. wieder die gedanken an julius. wenn ich daran denke, dass ich sonntag neben ihn in seinem bootshaus sitzen werde mit den ganzen anderen betrunkenen, wird mir schlecht. ob ich das schaffe? allein bei dem gedanken. in diesem moment schießt mir etwas durch den kopf. die zeit, in der ich mit ihm zusammen war, war die einzige zeit in meinem leben, wo ich wirklich glücklich war. ich muss drüber nachdenken. und es stimmt. es stimmt so sehr. mir rollt eine träne über die wange. gleich die nächste. ich erzähle niemandem davon, dass ich noch so für ihn fühle. das ist nicht gut. auch das macht mich schwach. ich sage ins telefon, dass ich auflegen muss und tu's dann einfach. jetzt muss er wohl denken, dass ich ihn scheiße finde. wie krieg ich das bloß wieder hin? wie krieg ich mein leben wieder hin?

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